Warum unsere Protestkultur einseitig ist und bleibt

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Foto: Christian Schnebel

Als die Nationalsozialisten systematisch damit begannen Juden in Deutschland zu entrechten und sie schlussendlich mit kalter Präzision in Lager sperrten und ermordeten, sah die Welt lange zu. Der Krieg, der Europa dann befreite und Deutschland in letzter Konsequenz wieder in die Gemeinschaft demokratischer Staaten zurückführte, beendete die Herrschaft der Nazis und befreite die Überlebenden. Seitdem hat es viele Genozide gegeben. Nur wenige davon brachten die Weltgemeinschaft dazu, die Mörder durch einen Militäreinsatz von ihrem Tun abzuhalten. Waren die Verbrechen der Nazis getrieben von der völkischen Ideologie so scheint die krude Ideologie des Islamismus bei Gruppen wie Al Schabak, Boko Haram und IS eine ähnlich enthemmende Wirkung zu haben. Die Frage ist: Wer kann diese Mörder stoppen? Es verdichtet sich bei mir die Annahme, dass Konflikte dieser Art wirklich dauerhaft nur innerhalb des jeweiligen Gesellschaftsmodells zu lösen sind, in welchem sie entstehen. Die Nazis wurden von einer Allianz mehrheitlich westlich orientierter Staaten in die Knie gezwungen, von Staaten die sich dem Humanismus, der Aufklärung und/oder dem christlichen Menschenbild verpflichtet fühlen aus dem sich Nazideutschland verabschiedet hatte.

Demzufolge könnten nur eine Allianz aus islamischen Staaten diese islamistischen Menschenschlächter effektiv stoppen - aber sie tun es nicht. Sie taten es nie. Die islamische Umma schweigt mehrheitlich zu dem was in ihrem Namen geschieht.

Dies ist möglicherweise auch ein Erklärungsansatz warum hierzulande so inbrünstig gegen Israels Vorgehen im Gazakrieg demonstriert wird, aber eben nicht gegen den anlaufenden Genozid der IS im Irak oder den beinahe vollendeten Völkermord in Syrien. Man begreift Israel hierzulande als Teil des westlichen Kulturraumes und ist - bisweilen auch offen antisemitisch - empört, gekoppelt mit einer stoischen Gleichgültigkeit gegenüber den Verbrechen der gesichtslosen Gruppe islamistischer "Gotteskrieger" oder eines eher ideologiebefreiten Machtmenschen Baschar El Assad. Während man Israel als Teil der freiheitlichen Kultur ansieht zeigen die ausbleibenden Proteste gegen islamische Staaten und Gruppen dass man ihnen wohl nicht zutraut nach moralische Maßstäben zu handeln. Wozu also demonstrieren? Das könnte man als latente Diskriminierung auffassen. Israel hingegen eignet sich gut als Katalysator.

Die Verantwortung für die Blindheit gegenüber den Verbrechen gegen die Jesiden, Kurden, Christen & Schiiten etc. in vielen Ländern liegt zum Teil in der Ignoranz und Einseitigkeit mancher Wortführer unserer hiesigen Protestkultur. Das ist schade und wird sich aber wohl nie ändern. Die Verantwortung für die Menschheitsverbrechen der Islamisten liegt aber nicht bei den ausbleibenden westlichen Protesten oder den oft recht wirkungslosen westlichen Militäreinsätzen sondern in der Unfähigkeit der arabischen Staaten (inkl. der Türkei, die sich immer mehr Richtung einer neoosmanischen Hegemoniemacht entwickelt) für Ordnung in ihrem Laden zu sorgen. Die Ursache liegt auch darin, dass das Fehlen einer freiheitlichen Zivilgesellschaft in vielen islamischen Staaten auch gar nicht als Manko empfunden wird. Der sogenannte arabische Frühling war in Wahrheit von Anfang an zum Scheitern verurteilt (und zudem nur ein westlicher Wunschtraum) er war nur ein Altweibersommer vor einem arabischen Winter, da es in den meisten der betroffenen Staaten nicht gelungen ist echte Demokratie zu etablieren, die Feindschaft zwischen Sunniten und Schiiten zu überwinden und es vor allem keinen Willen und kein Konzept gibt Frieden mit Israel zu schaffen.

Einen wichtigen Beitrag zur Lösung halten die islamischen Imame, Mullah`s und Würdenträger in Händen. Sie alleine können sich zusammenschließen um den Hass zwischen Sunniten und Schiiten zu beenden, sie gemeinsam können Fatwa`s gegen Boko Haram und IS aussprechen und warum sollte es nicht möglich sein dies wenigstens zu versuchen? Christian Schnebel


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